Von „Gostanbul“ nach „GoHO“

...Bereits in den 1970er Jahren erkannte die ehemalige Leiterin Keblawi, dass die Kinder auf dem Spielplatz meist aus sozial schwächeren Migranten-Familien kamen und deshalb auch Hausaufgabenbetreuung und zum Teil sogar ein kostenloses Mittagsessen nötig waren. Keblawi wird daher auch „Mutter von Gostenhof“ genannt.
Als nächstes besuchten die Abiturienten den Wagenplatz „Kristallpalast“ auf dem ehemaligen Quelle-Areal. Dort leben, von der Stadt sogar mit eigener Adresse versehen („99V“ wie vorläufig), vorwiegend junge Menschen in Bauwagen. Die Gründe dafür sind sehr unterschiedlich. Egal, ob es das Interesse an einem minimalistischen und nachhaltigen Lebensstil ist, das Leben in Gemeinschaft und nicht in einem anonymen Mietshaus oder schlichtweg Geldmangel und Wohnungsnot (Stichwort: Gentrifizierung), der die Bewohner für diesen alternativen Lebensstil begeistert. Einig sind sich die Gastgeber Coco, Herwig und Sebastian: Hat man einmal dort gelebt, will man so schnell in keine Wohnung zurück.
Am letzten Standort wurde deutlich, dass der Strukturwandel auch Chancen auf neue Arbeitsplätze bietet. Auf dem ehemaligen AEG-Gelände, wo aufgrund der Verlagerung von Arbeitsplätzen im produzierenden Sektor längst nicht mehr produziert wird, ist nun Raum für Restaurants, Künstler, Galerien, ein Theater, eine Kaffeerösterei, Startup-Unternehmen sowie einen Forschungs-Campus der Universität Erlangen-Nürnberg in den Bereichen nachhaltiges Wirtschaften und E-Drive-Technologien. Die Revitalisierung der Industriebrache ist also im vollen Gange.
Text: Clara Pausenberger Q12
Fotos: Alexander Kirschner Q12