Schaf Dolly und was dann? Gentechnik einmal kritisch betrachtet

Darf der Mensch seine eigene Evolution in die Hand nehmen? Und wo liegen da die ethischen Grenzen? Unter anderem mit dieser Frage beschäftigt sich der Biologe und Theologe Dr. Franz Hauber, der am 30.01.2018 im CJT-Gymnasium einen Vortrag im Rahmen des Programms „Wissenschaft macht Schule“ hielt.Das Motto des Abends lautete: „ ‘Lasset uns den Menschen machen!‘ (Gen 1,26) – Gentechnik und Fortpflanzungsmedizin und ihre ethische Bewertung“.
Durch seine außergewöhnliche Studiengangwahl Biologie, Theologie und Philosophie konnte uns Dr. Hauber sowohl fundiertes Fachwissen, als auch die damit verbundenen ethischen Problematiken der Gentechnik näherbringen.
Vor gut 50 Jahren war es für die Menschen undenkbar, ein Lebewesen mithilfe von Gentechnik zu verändern oder zu klonen. Doch dann wurde vor 21 Jahren mit dem Klonschaf Dolly der Durchbruch erlangt, welches das erste Tier war, das mithilfe des Klonierungsverfahrens gezeugt wurde. Ab diesem Zeitpunkt wurde unaufhaltsam geforscht, und immer mehr Erkenntnisse im Bereich der Genforschung gewonnen. Heute sind wir so weit, dass man mit dieser Technik einen Menschen mit gewünschten Eigenschaften bilden oder diesen sogar klonen könnte.
Gendiagnostik, also das Lesen der Gene, wird heutzutage schon in vielen Lebensbereichen angewandt, wie etwa zur Identifizierung von Toten oder zu Abstammungs- und Vaterschaftsgutachten. Außerdem bietet sich hiermit die Möglichkeit, zu erkennen, ob man Träger einer bestimmten Erbkrankheit ist. Grundsätzlich sollte die genetische Diagnostik jedoch im Dienst der Heilung von Menschen stehen und kein Mittel zur Selektion kranker Menschen sein. Deshalb gibt es seit 2010 das Gendiagnostikgesetz in Deutschland, welches sich auf informationelle Selbstbestimmung beruft, also dass man selbst über die Preisgabe und Verwendung seiner Daten bestimmen kann.
Die Gentherapie beinhaltet anders als die Gendiagnostik eine aktive Veränderung des Erbmaterials des Menschen, mit welcher man sich die Heilung von vielen Krankheiten weltweit erhofft. Dieses Verfahren ist allerdings noch nicht ausreichend erforscht, deshalb können bei Anwendung schädliche Nebenwirkungen auftreten, wie zum Beispiel die Entstehung von Tumoren durch ungewollte Mutationen.
Zudem entsteht mithilfe der Gentherapie die Möglichkeit, Babys mit bestimmten Wunscheigenschaften zu „designen“, wie etwa Schönheit oder Begabung, was von Seiten der Bevölkerung selbstverständlich nicht nur auf positives Interesse stößt.
Ein weiteres angesprochenes Themengebiet war die Fortpflanzungsmedizin. Durch Pränataldiagnostik können genetische Defekte des Embryos schon im Mutterleib diagnostiziert und in einigen Fällen behandelt werden. Doch auch diese ist mit Risiken verbunden, wie die Gefahr der automatischen Abtreibung bei nicht erwünschtem Ergebnis oder eine erhöhte Fehlgeburtsrate durch Beschädigungen während der Untersuchungen im Mutterleib.
Dr. Hauber gab zu Ende des Vortrags zu bedenken, dass diese gesamte Thematik Gentechnik durchaus kritisch zu hinterfragen ist. Er betonte, dass im Leben die moralischen Werte und nicht Geld oder wissenschaftlicher Erfolg die höchste Priorität haben sollten, und dass mit den neuen Möglichkeiten in der Medizin verantwortungsbewusst umgegangen werden muss.
Insgesamt ist der Vortrag mit diesem nicht immer einfach zu bewertenden Thema sehr gut gelungen und hat bestimmt alle Anwesenden zum Nachdenken angeregt.

Jana Gombert und Sophia Stollberg, Q11