Das Klima im Wandel – Konkrete Fallstudien am Beispiel Ecuadors

Obwohl Donald Trump erst vor kurzem den Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaabkommen verkündete, ist nach Meinung vieler Experten der Klimawandel eine der schwierigsten Herausforderungen des nächsten Jahrhunderts.
Dr. habil. Thorsten Peters vom Institut für Geographie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen brachte im Rahmen des Projekts „Wissenschaft macht Schule“ - unterstützt vom Klimaschutzmanagement des Landratsamts Nürnberger Land - am Abend des 24. Oktobers circa 75 Interessierten am Christoph-Jacob-Treu- Gymnasium das Klima und den Klimawandel am Beispiel Süd-Ecuadors näher und ermöglichte einen Blick in seine wissenschaftliche Arbeit in diesem geographisch, topographisch und klimatisch äußerst vielfältigen Land.
Denn in Süden Ecuadors liegen nur 75km zwischen dem tropischen Bergregenwald auf der Andenostabdachung und dem gegensätzlichen Trockenwald im Südwesten des Landes. Dieser Trockenwald ist eines der weltweit meistgefährdeten Ökosysteme, in dem schon eine durch den Klimawandel mögliche Veränderung der räumlichen Windmuster, von denen der dortige saisonale Wechsel von Trocken- und Regenzeit abhängt, unvorhersehbare Folgen haben könnte.
Betrachtet man den zeitlichen Klimawandel, so lässt sich feststellen, dass die Temperaturen in Ecuador - passend zur globalen Entwicklung - in den letzten Jahrzehnten gestiegen sind und die Niederschläge sich regional stark unterschiedlich entwickelt haben. Diese beiden Klimafaktoren beeinflussen zusammen mit dem Auftreten von Extremwetterereignissen unmittelbar die Umwelt und das Leben der Bewohner vor Ort.
So ist es für die Klimaforschung z.B. auch von Bedeutung, wie oft sich Extremwetterereignisse häufen und wie stark diese ausfallen. Beispielsweise gab es in dem Jahr 2004 eine ungewöhnlich lang andauernde Trockenphase in einem Gebiet Süd-Ecuadors, wodurch  ein großflächiger Bambusbestand abstarb. Das Ökosystem konnte sich hiervon nach einiger Zeit erholen, was jedoch nicht mehr gelingen wird, wenn sich solche Ereignisse häufen.
Dass es zu einer Erwärmung der Atmosphäre kommt, erklärt sich zunächst aus dem natürlichen Treibhauseffekt. So genannte Treibhausgase in der Luft erschweren auf natürliche Weise die Abstrahlung der Wärmestrahlung. Sie werfen diese zum Großteil wieder auf die Erde zurück, weshalb sich die Atmosphäre erwärmt und das Leben in seiner jetzigen Weise auf der Erde erst möglich ist.
Doch dazu kommt nun aber der anthropogene Treibhauseffekt, dessen Ursache überwiegend auf den CO2-Ausstoß zurückzuführen ist, der zum Beispiel durch Verbrennung fossiler Energieträger, durch Verkehr, Industrie oder Landwirtschaft verursacht wird. CO2 verweilt durchschnittlich circa 120 Jahre in der Atmosphäre, während Methan (CH4) nur eine Verweildauer von 9 bis 15 Jahren in der Atmosphäre hat. Jedoch ist Methan 21mal so wirksam wie CO2. Der Methanausstoß kommt beispielsweise durch Massentierhaltung oder durch Nassreisanbau zustande.
Dr. Peters gab den Zuhörern auch einen Ausblick auf die Zukunft, träte der „worst case“ ein und die internationalen Klimaschutzziele würden verfehlt. Hierbei würde die Durchschnittstemperatur innerhalb der Anden Süd-Ecuadors um mehrere °C bis zum Jahr 2100 ansteigen. Als mögliche Folge würden sich die Verbreitungsgebiete vieler Pflanzenarten verändern und z.B. wärmeliebende Pflanzenarten innerhalb des Gebirges weiter nach oben „wandern“. Dadurch würden die Pflanzen, die in den Anden Süd-Ecuadors am weitesten oben angesiedelt sind, durch Bäume und Sträucher verdrängt werden. Auch könnte der Niederschlag im Westen des Landes deutlich zunehmen und der Trockenwald dadurch stark geschädigt werden.
Doch der Klimawandel stellt derzeit nicht die einzige Bedrohung für die Biodiversität Ecuadors dar. Hinzu kommt die rasend schnell steigende Landnutzung. Denn im letzten Jahrhundert wuchs z.B. das Straßennetz Ecuadors rasant. Mit der Erschließung neuer Straßen nahmen auch die Landnutzungsflächen zu. Durch die daraus resultierende Rodung geht z.B. der natürliche Regenwald und mit ihm das natürliche Ökosystem verloren. Anthropogene Landnutzungssysteme erreichen jedoch niemals eine so hohe Artenvielfalt wie die von Natur aus gegebenen.
Unsere Aufgabe ist es deshalb, den globalen Klimawandel auszubremsen und zu verlangsamen. Dramatischerweise verändern wir beispielsweise im Süden Ecuadors ein Ökosystem, ohne es selbst zu kennen oder gar die Folgen unseres Handelns absehen zu können. Wir müssen lernen, unsere ökonomischen Interessen den ökologischen unterzuordnen und auch von unten anzufangen, unseren ökologischen Fußabdruck klein zu halten.
Johanna Mayer