Das CJT im Laufer Rathaus - Politik fängt im Kleinen an

Straßenverkehrsordnung, Flüchtlingskrise, Erbschaftssteuerreform, G8/G9, Windparks, Pegida – die „große“ Politik bestimmt oft die Schlagzeilen in den Zeitungen und sind die großen Aufreger im Internet und den sozialen Netzwerken. Dabei fängt Politik oft im Kleinen an – vor Ort, in der Siedlung, auf dem Marktplatz, im Rathaus. Wie werden Entscheidungen in einer Stadt getroffen? Unter welchem Druck, welchem Einfluss stehen die Entscheidungsträger, Stadträte und Bürgermeister? Diesen Fragen gingen zwei 10te Klassen des CJT-Gymnasiums nach.
Spürbar wurde die scheinbar „kleine“ Politik im großen Rathaussaal der Stadt Lauf, in dem die jungen Lernenden am Morgen einen Vormittag lang Platz nahmen. Da, wo im „echten Leben“ 30 Stadträtinnen und Stadträte in Ausschüssen und in der Vollversammlung tagen.
Was macht eine Stadt? Wofür ist sie zuständig? Und wo bekommt eine Stadt ihr Geld her, um ihre Aufgaben zu erfüllen? Eine kompetente Einführung erhielten die Schülerinnen und Schüler durch Dieter Donhauser, Mitarbeiter der Stadt Lauf. Er erklärte anschaulich und beispielhaft die Untiefen der Abwasserversorgung, den Sinn einer Freibadverordnung oder das morgendliche Glück einer städtischen Stromversorgung. „Ohne eine Gemeinde funktioniert das alltägliche Leben“ kaum, lautet die zentrale Erkenntnis. Dass dafür Gebühren und Abgaben, aber auch Steuern zu leisten sind, wird schnell klar.
Anschließend durften die Teilnehmer im Rahmen eines Planspiels selbst Stadtrat spielen. Nach der Aufteilung in Fraktionen wurde den jungen Stadträten eine ausgedachte Tagesordnung vorgelegt („Hardtstraße als Spielstraße?“, „Sperrzeitverkürzung am Altstadtfest?“). Die Begleitlehrer Dollenmaier, Weber, Röder und Kühne spielten entweder als betroffene Anwohner oder als Unternehmer mit und versuchten die Diskussion in ihrem Sinne zu beeinflussen – fast wie im richtigen Leben. Der kleine Lobbyismus live vor Ort.
Die Einflussnahme zeigte bei der abschließenden, sehr lebhaften Stadtratssitzung ihre Wirkung. Die Fraktionen trugen ihre Argumente vor und diskutierten mögliche Auswirkungen ihrer Entscheidungen. Können Brauereien wirklich mehr verkaufen, wenn das Altstadtfest verlängert wird? Und was passiert mit Arbeitsplätzen und Umwelt, wenn der Verkehr in einer Straße auf Schrittgeschwindigkeit heruntergebremst wird? Mehrheiten fanden sich für ein längeres Altstadtfest und der Beibehaltung der „Zone 30“ in einer Wohnstraße - unter der Voraussetzung, dass mehr Verkehrskontrollen stattfinden.
Die große Politik fängt im Kleinen an. Mit dieser Erkenntnis gingen die Schülerinnen und Schüler des CJT nach Hause. Und Diskussionen, Einflussnahme und Kompromisse bestimmen die folgenden Entscheidungen. Fast wie im richtigen Leben.

Daniel Kühne