Bundestagswahl 2017: Die Oberstufe hatte auch die Qual der Wahl

Das Interesse an Politik sowie der Wunsch nach politischer Teilhabe ist bei vielen Jugendlichen weit verbreitet. Umso ärgerlicher wird es dadurch für die meisten Schülerinnen und Schüler unserer Schule, dass sie bei der diesjährigen Bundestagswahl auf Grund ihres Alters noch nicht mitwählen dürfen. Einen Trost dafür rief die Bundeszentrale für politische Bildung ins Leben: die Juniorwahl. Diese fand am CJT in der Woche vor der Bundestagswahl am 24. September statt.
Die Juniorwahl soll unter realitätsnahen Verhältnissen den Ablauf der echten Abstimmung simulieren. Am CJT wurde die Organisation der Wahl - an der bundesweit rund 3400 Schulen teilnahmen - von einem Q12-Sozialkundekurs getragen, welcher sich bereits vor den Sommerferien mit den ersten Vorbereitungen befasst und Infomaterial für die wahlberechtigten Schüler erstellt hatte. Die Wahl selbst fand am Dienstag (19.09.17) für die Q11 statt sowie am Freitag (22.09.17) für die Q12. Zuvor instruierte Schüler des genannten Kurses durften die Rolle der Wahlhelfer übernehmen und betreuten die Wahl. Um die Simulation so realistisch wie möglich zu gestalten, wurden zwei Klassenräume zu Wahllokalen umfunktioniert, in die die Schülerinnen und Schüler kursweise jeweils in Kleingruppen geführt wurden. Die Bundeszentrale für politische Bildung stellte dem Original nahezu identische Wahlzettel zur Verfügung, und um Anonymität, Unabhängigkeit sowie das Wahlgeheimnis zu wahren wurde in mit Sichtblenden versehenen Wahlkabinen gewählt. Die ausgefüllten Stimmzettel warfen die Schüler in versiegelte Wahlurnen, somit wurde auch bei der Juniorenwahl Wahlmanipulation vorgebeugt, indem ferner auch die Wahlhelfer akribisch darauf achteten, dass die Anzahl der abgegebenen Stimmen mit der Zahl der Wahlberechtigten übereinstimmte. Nach Beendigung des Abstimmungsprozesses zählten die Wahlhelfer die Stimmzettel aus und stellten nach mehrfacher Prüfung der Zahlen die Ergebnisse fest, welche sich in einigen Punkten stark von den bei der echten Bundestagswahl zu erwartenden Zahlen unterschieden.
Als stärkste Kraft in den Bundestag wählten die gut 300 Wahlberechtigten die Grünen mit 35,6 % der Stimmen. Diese Partei erzielte somit einen großen Vorsprung vor der CSU, welche mit 21,6 % den zweiten Platz belegt. Es folgen mit 14,3 % die SPD, danach die Linke mit 8,3 % der Stimmen und die FDP mit 7,6 %. Vereinzelte Stimmen erhielten die AfD, die Piraten, die ÖDP, die Tierschutzpartei, die MLPD, Die PARTEI, die Freien Wähler, Demokratie in Bewegung und die V³-Partei. Von diesen übersprang jedoch keine die Fünf-Prozent-Hürde. Somit wäre eine Schwarz-Grüne Koalition möglich, aber auch eine Rot-Rot-Grüne Koalition wäre denkbar.
Dabei sind sich die Q11 und die Q12 in ihrer Meinung recht einig, mit dem Unterschied, dass FDP und Linke von der Q11 gerade einmal halb so viele Stimmen bekamen wie vom Abiturjahrgang. Dieser Anteil der Stimmen ist dafür bei den Grünen wiederzufinden.
Wie stark sich das Wahlergebnis unserer Schule von dem der echten Bundestagswahl unterscheidet, bleibt bis zur endgültigen Auszählung abzuwarten. Fest steht aber, dass sich bei der Juniorwahl eine linke Tendenz abzeichnet, welche sich typischerweise in der Wahl der Erwachsenen nicht widerspiegelt.
Die Juniorwahl an sich stieß bei einem Großteil der Schüler auf eine sehr positive Resonanz: „Ich finde die Juniorwahl ist eine gute Idee, weil bei den Schülern ein Bewusstsein für Demokratie geschaffen wird“, so Antonia Braun (17) aus der Q12. Auch Veronika Schönweitz (16) aus der Q11 ist positiv gestimmt gegenüber dem Konzept der Wahlsimulation: „So gewöhnen wir uns gleich daran, dass es wichtig ist, wählen zu gehen, und eine Demokratie kann ja auch nur wirklich funktionieren, wenn alle wählen gehen. Deswegen finde ich es gut, dass wir das machen.“

Niklas Escherich und Anna Frey, Q12